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Ohne Worte

Es war wie eine Verbildlichung der Trauer und der Depression. Eine leere Turnhalle, flackernde Lichter, leere Bänke und Sportgeräte, er lag auf einer Bank, den Kopf in ihrem Schoß vergraben, den einen Arm um Ihre Beine durch auf die knie gelegt, der andere in stillem Protest auf den Boden hängend. Sie spielte mit seinen Haaren, während sie beide über ihre Probleme sprachen, obwohl beide wussten, dass es nich viel brachte.

 Es regnet.

Hinterher gingen sie zusammen nach Hause, eine letzte, sehr innige Umarmung, die wahrscheinlich nicht mehr zu bedeuten hatte als "Schönes Wochenende, ich vermisse dich jetzt schon!" Sie stieg aus und er blieb regungslos stehen.

Es regnet.

Er versuchte jede Kommunikation zu unterbinden, stellte sich nicht, wie so oft auch vor, er sei ein Agent und hätte den Auftrag bekommen eine Wohnung zu infiltrieren, mehr schlurfte er mit einem absichtlich grimmigen Gesicht durch die Straßen, schloss, zu Hause aufgekommen, die Haustür auf und atmete erleichtert auf, als keiner da war. 

Es regnet.

Die traurig-melancholische Stimme Kurt Cobaines geht ihm nicht mehr aus dem Kopf, er denkt an die Leidenschaft, die er mit ihr durchgemacht hatte, nicht nur am gestrigen Tag, sondern auch sonst, dann kam ihm "Kiss from a rose" von Seal in den Kopf, doch in der Stimmung war er nicht gerade. Kurt Cobaines verwuschelte Haare kamen ihm vor seinem geistigen Auge, dazu hörte er den Rhythmus von "Smells like". Musik war sein Leben, ihres auch, sie hatte einmal gesagt, der letzte Sinn, den sie verlieren möchte sei der Gehörsinn. Der Satz passte zu ihm.

Es regnet.

Es regnet, es regnet, die Bäume werden nass

Ich sitze im Trocknen, was kümmert mich das.

 

Diese Zeilen gingen ihm nicht mehr aus dem Kopf, es gab so viel worüber er in dem Moment nachdachte, über das Buch, an dem er vorgibt zu lesen, es aber nur überfliegt und das wichtigste zusammenfasst, an sie, an das Leben, an seine Lehrerin, die er sehr reizend fand, an den Regen.

"Regen heißt Trauer, weil der Himmel dann weint." 

Regen macht depressiv, das wusste er auch, doch bis zu dem Zeitpunkt war ihm so etwas nie bewusst geworden, seitdem scheut er den Regen. Darüber dachte er auch nach, je mehr man erkennt, je mehr man sucht, je mehr man fragt und weiß... desto schrecklicher ist es zu leben.

Es regnet.

Es regnet und die Bäume werden nass, aber denen macht das auch nichts aus, nur wenn wir nass werden, dann ist es schlimm, dann suchen wir Unterschlupf und Geborgenheit, wie können wir Duschen an sich überhaupt vertragen?

Es regnet.

Na und? Was ist so schlimm daran? Alles sieht grau aus, doch je mehr er sich dessen bewusst wird, desto mehr scheinen die Farben wieder an Kontrast zu gewinnen, desto mehr sehnt er sich nach dem Regen, er mochte das Grau doch eigentlich. Kann der Mensch von Natur aus Schlechtes wollen, um sich dann über das Gute zu freuen? Er jedenfalls hat immer so gedacht, nur sich nie getraut es jemandem außer ihr zu sagen. Doch nun, da er einen Text von Plinius gelesen hat, in dem ebendies erklärt und für "gut" gehalten wird, erkennt er, dass es gut ist nicht egoistisch zu sein, dass es gut ist zu helfen, dass es gut ist sich aufzuopfern.

Es regnet.

Darauf wollte er nicht hinaus, er wollte ein unklares Bild haben, von der Welt, vom Leben, vom Verborgenen, vom Latenten.

Es Regnet.

Es Regnet nicht mehr.

Es regnet wieder.

Es regnet immer noch.

Na und? Was ist so schlimm daran? Alles sieht grau aus, doch je mehr er sich dessen bewusst wird, desto mehr scheinen die Farben wieder an Kontrast zu gewinnen, desto mehr sehnt er sich nach dem Regen.

Es regnet.

 

 

 

5.9.08 17:14
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Soya / Website (5.9.08 22:56)
Ich liebe dich für diesen artikel...einfach Wunderschön!!! mir fehlen die Worte....

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